Frau sitzt auf Baumstamm am Strand

Mein Credo, mein Sinn

Worauf kommt es Dir wirklich an? Wofür stehst Du morgens gerne auf? Wonach sehnst Du dich? – Die Antwort auf diese Frage entscheidet alles in deinem Leben! Hier lernst Du eine tolle Übung kennen, wie Du deiner Antwort auf die Spur kommen kannst.

„Der Sinn deines Lebens ist dein Leben. Verplempere es nicht. Geh sorgsam mit deinem Leben um. Eigne es dir an.“

Wo ich diese Sätze gelesen habe, weiß ich nicht mehr, doch sie gefallen mir, denn sie machen auf die Würde jeden Tages aufmerksam. Sie regen an, in Tuchfühlung zu gehen mit dem, worauf es einem wirklich ankommt. Sie bestärken, unsere Potenziale zu nutzen und zu unserer wahren Größe heranzuwachsen anstatt auf reduziertem Niveau zu leben. Und sie ermutigen, die eigenen Grenzen zu akzeptieren anstatt sich permanent zu überfordern.

Wenn Du dein Gespür für dein einmaliges Leben vertiefen willst, bieten Dir folgende Fragen eine erste Anregung. Es empfiehlt sich, diese spontan zu beantworten und sich Stichworte zu notieren.

  • Was hat mir als Kind und Jugendliche Freude gemacht? Und was ist aus diesen Freuden im Lauf der Zeit geworden?
  • Ich erinnere mich an Zeiten, in denen mein Leben „im Fluss“ gewesen ist und ich mich vom Lebensstrom getragen gefühlt habe. Welche Bedürfnisse und welche Werte kamen in diesen Zeiten zum Tragen?
  • Was sollen die Menschen, die mir viel bedeuten, über mich erzählen?
  • Angenommen, ich hätte zwei Leben zur Verfügung – wie würde mein zweites Leben aussehen?

In einem zweiten Schritt kannst Du deine Antworten auf dich wirken lassen und Dich fragen:

  • Entdecke ich einen roten Faden, was ich gut leben kann? Wo liegen meine Gaben und Stärken? Und wo stoße ich an meine Grenzen?
  • Entdecke ich eine kontinuierliche Spur, was ich leben und verwirklichen will?

Als dritter Schritt bietet sich ein Realitäts-Check an: Gleiche deinen momentanen Alltag ab mit dem, was Du gut leben kannst und was Du leben willst. Wenn Du bei diesem Abgleich über Widersprüche stolpern sollten, dann kannst Du sich beglückwünschen. Denn dies spricht für eine gesunde Selbstwahrnehmung. Es ist nämlich normal und gesund, auf solche Differenzen und Spannungen zu stoßen.

Hinter der folgenden Überlegung steht die Einsicht, dass wir mit Freundinnen und Freunden häufig wohlwollender und einfühlsamer umgehen als mit uns selbst (übrigens ein Grundgedanke, der mich veranlasst hat, ein ganzes Buch zu schreiben über die Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein). Daher kannst Du dir zum Abschluss dieser Übung vorstellen, dass Du mit einem Freund oder einer Freundin ungestört zusammensitzst. Dein Gegenüber spricht Dich auf deine Entdeckungen und Einsichten an. Lasse deiner Phantasie freien Lauf, was dein Freund oder deine Freundin Dir sagen könnte: Worauf geht sie ein? Unterstreicht sie etwas? Relativiert oder ergänzt sie etwas? Und wie spricht sie mit Dir? In welchem Tonfall und vielleicht auch mit welchen Gesten?

Großer Blumenstrauß vor einer türkiesen Wand

Im Blick auf die Spannungen und Dissonanzen, die Du in deinem Leben wahrnimmst, fragt dein Gegenüber Dich interessiert-zugewandt:

  • Was hält dich davon ab, das zu leben, was dir wichtig ist?
  • Was treibt dich an, dich in ungesunder Weise zu überfordern? Oder hinter deinen Möglichkeiten zurückzubleiben?
  • Was wünschst du dir, damit du einen nächsten Schritt gehen kannst?

Und zum Schluss der Übung kannst Du dich entscheiden, den einen, konkreten Schritt zu setzen, der jetzt dran ist und Dich in die richtige Richtung gehen lässt.

Trau dich Wolfers

Lesetipp:

Warum scheuen wir uns, Entscheidungen zu treffen? Woher kommt es, dass wir so zögerlich oder gar ängstlich sind? Dass wir uns schwertun, etwas zu wagen?

Wie wir mutig werden und uns trauen, das eigene Leben zu leben – darum geht es in diesem Buch.

Der Text ist entnommen aus: Melanie Wolfers, Trau dich, es ist dein Leben. Von der Kunst, mutig zu sein, bene! verlag ET 2018, 6. Auflage, S. 42-46

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